Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

S. Kategorien und Institutionen: Medien und Raumtheorien

Tom Ullrich M.A.

Kurzname: S Kategorien
Kursnummer: 05.054.16_720

Inhalt

Mit dem „topographical“ oder „spatial turn“ ist die Räumlichkeit seit einigen Jahren wieder zu einem wichtigen Thema der Geistes- und Kulturwissenschaften geworden. Neuere Ansätze aus Netzwerktheorie und Mediengeografie sowie Untersuchungen zu lokativen und infrastrukturellen Medien tragen dazu bei. Dabei basiert das medienwissenschaftliche Interesse am Raum auf dem Argument, dass dieser nicht als bloße passive Ausdehnung oder simpler Container zu begreifen ist, sondern dass Räume als Relationen zwischen Akteuren oder Objekten, d.h. als Anordnungen zu betrachten sind.
Räume sind also weder einfach gegeben noch als eine abstrakte Idee zu erfassen. Sie gehen vielmehr aus institutionellen, sozialen und technischen Prozessen der Verräumlichung hervor. Sie werden in Handlungen und mit Machtinteressen produziert. Räume haben also wie Medien einen aktiven und Welt erzeugenden Charakter: sie prägen unsere sinnliche Wahrnehmung und sozialen Beziehungen, lenken Ströme von Personen, Gütern und Nachrichten und stellen kulturelle Semantiken bereit.
Diese Agency von Räumen und ihre politischen wie ästhetischen Implikationen gilt es im Seminar in der Lektüre theoretischer Texte sowie der Analyse exemplarischer Fälle in zwei Schritten zu erkunden: erstens anhand einer Auswahl kulturwissenschaftlicher Raumtheorien (u.a Gilles Deleuze, Michel Foucault, Harold Innis) und zweitens anhand einschlägiger medienkulturwissenschaftlicher Positionen zum Thema (u.a Jörg Dünne, Gabriele Schabacher, Bernhard Siegert). Dabei werden konkrete Orte (u.a. Straße, Cloud), Repräsentationstechniken (Kartografie, Zentralperspektive) und Praktiken (navigieren, transportieren) zu diskutieren sein.
Die Ziele des Seminars sind es, ein differenziertes Verständnis des Raumbegriffs zu entwickeln, die wechselseitigen Konstitutionsprozesse von Räumen, Medien und Wissen aus der Perspektive der Medienkulturwissenschaft in den Blick zu nehmen, Ansätze insbesondere der Kulturtechnikforschung zur Analyse von Raumproduktion und -beherrschung kennenzulernen und so ein medientheoretisches Denken relationaler Räumlichkeit einzuüben.

Termine:

Datum (Wochentag)UhrzeitOrt

Semester: WiSe 2020/21