Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

MA S. Ästhetische Formen im Wandel: Film / Fernsehen / Neue Medien: Das Kino als unreine Kunst: Medien und Künste im Film

Dr. Roman Mauer

Kurzname: S ÄsthetFormWandel
Kursnummer: 05.054.19_560

Empfohlene Literatur

Eine ausführliche Literaturliste wird in der ersten Sitzung ausgegeben.

  1. Badiou, Alain: Kino. Gesammelte Schriften zum Film. hrsg. von Peter Engelmann. Passagen Verlag: Wien 2014. 
  2. Bazin, André: Für ein unreines Kino. Plädoyer für die Literaturverfilmung. In: Ders.: Was ist Film? hrsg. v. Robert Fischer. Berlin: Alexander-Verlag 2004. S. 110-138.
  3. Bazin, André: Theater und Film. Ebd., S. 162-216.
  4. Bazin, André: Malerei und Film. Ebd, S. 224-230.
  5. Kreuzer, Stefanie (Hrsg.): Experimente in den Künsten: transmediale Erkundungen in Literatur, Theater, Film, Musik und bildender Kunst. Berlin: transcript 2012.
  6. Paech, Joachim: Literatur und Film. 2. Auflage. Stuttgart: Metzler 1997. 
  7. Paech, Joachim: Intermedialität des Films. In: Jürgen Felix (Hrsg.): Moderne Film Theorie. 2. Auflage. Mainz: Bender 2003, S. 287-316.
  8. Rudolf, Sophie: Die Filme von Alain Resnais. Reflexionen auf das Kino als unreine Kunst. München: edition text + kritik, 2012.

Inhalt

Seit den frühen Tagen des Kinos diskutiert die Filmtheorie über die Reinheit der Filmkunst (cinéma pur). Wo mag das Wesen einer Kunst liegen, wenn sie doch alle anderen Künste (wie u.a. die Architektur, die Malerei, die Musik, das Theater, die Literatur) aufzeichnen, wiedergeben, sich einverleiben oder zum Gesamtkunstwerk formen kann? Während die literarische Avantgarde in den 1920er Jahren nach der Nähe zum Film und einer filmischen Schreibweise suchte (Apollinaire, Döblin, Joyce, Dos Passos…), waren avantgardistische Filmemacher darum bemüht, den Film auf der Suche nach einer genuinen kinematographischen Ästhetik von anderen Künsten abzugrenzen: „Wir säubern die Filmsache von allem, was sich einschleicht, von der Musik, der Literatur und dem Theater (…)“ (Dziga Vertov). Doch eine andere Argumentationslinie, die von André Bazin bis Alain Badiou reicht, entdeckt gerade in der "Unreinheit der Filmkunst" großes Potential, plädiert für ein cinéma impur, das die Besonderheiten anderer Künste aufzudecken und in einen Reflexionraum zu stellen vermag. Tatsächlich haben die anderen Medien und Künste den Film auch wesentlich weiterentwickelt. Die Eisenbahn hat die Kamera in Bewegung gesetzt, das Telefon die Leinwand zum Split-Screen zerteilt, die Karte den filmischen Blick in eine omnipotente Übersicht gehoben. Dem Film wurde von der Fotografie die Doppelbelichtung geschenkt, von der Literatur die Parallelmontage, von der Malerei die Tiefeninszenierung, von der Musik der visuelle Rhythmus. Wiederum hat der Film die Literatur modernisiert, das Theater entgrenzt, den Comic dynamisiert, die Malerei in die Abstraktion getrieben. Filmische Karten - mit ihren Animationen und Zoom-Strategien - haben die moderne, digitale Kartografie (Google Earth) wesentlich beeinflusst.

In diesem Seminar geht es um die "Pluralität des Films" (Joachim Paech), um die Wechselprozesse von beispielsweise Film und Literatur, Film und Comic, Film und Theater, Film und Architektur, Film und Musik, Film und Computerspiel oder Film und Fotografie, um Intermedialität, Synästhesie und Hybridisierung. Wir fragen zudem danach, welche Bedeutung und ästhetische Wirkung die Darstellung anderer Medien im Film erzielt, fokussieren beispielsweise Karten im Film, das  Telefon im Film, den Screen oder das Internet im Film. 

Termine:

Datum (Wochentag)UhrzeitOrt

Semester: WiSe 2020/21