Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

Ü. Filmgeschichtliches Arbeiten: Das Filmexil der Kameramänner und Drehbuchautorinnen 1933-1945

Dr. Imme Klages

Kurzname: Ü Filmgesch Arbeit
Kursnummer: 05.054.16_620

Empfohlene Literatur

Asper, Helmut G. “Etwas Besseres als den Tod-- ”: Filmexil in Hollywood ; Porträts, Filme, Dokumente. Arte Edition, Bd. 2. Marburg: Schüren, 2002.
—. Filmexilanten im Universal-Studio: 1933 – 1960. Berlin: Bertz und Fischer, 2005.
Bergfelder, Tim (Hg.) Destination London: German-Speaking Emigrés and British Cinema,1925 - 1950. Vol. 6. Film Europa. New York: Berghahn Books, 2008.
Esser, Michael und Cinema Quadrat e.V, (Hg.) Gleissende Schatten: Kamerapioniere der zwanziger Jahre. 1. Aufl. Berlin: Henschel, 1994.
Sauter, Martin. “Liesl Frank, Charlotte Dieterle and the European Film Fund.” Ph.D., University of Warwick, 2010.
Steinbauer-Grötsch, Barbara. Die lange Nacht der Schatten: Film noir und Filmexil. Vol. 1. Deep Focus. Berlin: Bertz, 1997.

Inhalt

Wir werden uns in der Übung mit dem deutschen Filmexil befassen, insbesondere mit der Berufsgruppe der Kameramänner und Drehbuchautorinnen. Die Bezeichnung Filmexil bezieht sich auf die Zwangsemigration von ca. 2.000 Filmschaffenden der deutschen Filmwirtschaft in den Jahren nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten. Fragen nach den Arbeitsbiografien der Kameramänner und Drehbuchautorinnen, den realisierten Filmprojekten im Exil und das Entwickeln eigener Recherchefragen werden Teil der Übung sein.
Eine Exkursion in das Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt, sowie eine eigenständige Rechercheleistung über jeweils einen Kameramann/oder Drehbuchautorin und seine/ihre Filmarbeiten im Exil, sind verpflichtende Teilnahmebedingungen.
Wir werden die berufliche Entwicklung der exilierten Kameramänner untersuchen. Für diese sind schon bei stichprobenartiger Ansicht außerordentliche Leistungen für die Filmindustrien der Länder zu verzeichnen, in die sie fliehen konnten. Helmar Lerski (1871-1956), Fotograf und späterer Kameramann/Regisseur, wirkte bedeutend beim Aufbau der israelischen Filmindustrie mit. Wolfgang Suschitzky (1912-2016) floh nach England und arbeitete dort zuerst als Fotograf, später als Kameramann vieler Industriefilme. Theodor Sparkuhl (1894-1946), ursprünglich aus Hannover, verhalf in Hollywood dem Film Noir zu einer stilprägenden Lichtgestaltung (vgl. Steinbauer-Grötsch 1997), ebenso Franz Planer (1894-1963), der später „Breakfast at Tiffany’s“ fotografierte. In den Niederlanden arbeitete Akos Farkas (1898-1971) mit weiteren Exilanten wie Ludwig Berger an mehreren Filmprojekten zusammen. Eugen Schüfftan (1893-1977) emigrierte zunächst nach Frankreich und übernahm die Kamera in Marcel Carnés „Drôle de drame" (1937) und „Le quai des brumes" (1938). In Frankreich war er außerdem für die Kameraarbeit von „Sans lendemain" (1939) verantwortlich, bei dem der Exilant Max Ophüls Regie führte, ebenso drehte er mit G.W. Pabst „Le drame de Shanghaï" (1938). Der Kameramann John Alton (1901-1996) beschreibt in seinem 1949 erschienenen einflußreichen Buch „Painting with Light“ die Zuständigkeit des Kameramanns für die Beleuchtung des Sets. Alton, der Ende der 1920er Jahre in Europa arbeitete, leistete ab 1932 in Argentinien filmische Aufbauarbeit und wurde später von der argentinischen Filmindustrie für seine Dienste ausgezeichnet. Wie verhielt es sich mit den zahlreichen anderen Kameramännern, die aus Deutschland flohen? Wie verliefen ihre späteren Karrieren, wurden sie, wie in den USA, teilweise von der Gewerkschaft der Kameramänner abgewiesen? Wechselten sie von der Foto- zur Filmkamera? Kehrten Sie zurück nach Deutschland?
Diesen und weiteren Recherchefragen werden wir uns in der Übung widmen.

Termine:

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Semester: WiSe 2020/21