Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

HS. Film als Experimentierfeld der Sinne: Stumm|Film|Musik. Zur Musik- und Aufführungsdimension des frühen Kinos

Jun.-Prof. Dr. Kristina Köhler

Kurzname: HS Film Exp Sinne
Kursnummer: 05.054.16_1020

Voraussetzungen / Organisatorisches

Das Hauptseminar kann nur gemeinsam mit dem „SLS. Angeleitete Sichtung zum HS.“ besucht werden! Die Anmeldung zur Sichtung erfolgt nach der 3. Lehrveranstaltungsanmeldephase durch das Studienbüro FTMK.

Hinweis für Studierende der PO 2011:
Die Teilnahme am „SLS. Angeleitete Sichtung“ ist eine verpflichtende Studienleistung.

Inhalt

Dass der sogenannte «Stummfilm» nie stumm war, weil er im Moment der Vorführung musikalisch-akustisch begleitet wurde, ist weithin bekannt. Weniger bekannt ist hingegen, wie vielfältig frühe Musik- und Aufführungspraktiken aussahen: Neben Live-Musik im Kinosaal, durch Saal-Pianist, kleines Ensemble oder ganzes Orchester, kamen auch Akrobat*innen und Filmerzähler*innen, aber auch technische Apparate (wie Grammophone) zum Einsatz. Die frühe Filmkultur arbeitete mit Techniken der Improvisation, Komposition oder des Re-Arrangements. Sie bezogen sich auf jahrhundertlange Traditionen der Musikgeschichte, aber auch auf die Musikindustrie um 1900 mit ihren Schlagern, Hits und Kuriositäten. Ziel des Seminars ist einerseits, die engen Verflechtungen von Film- und Musikindustrie um 1900 zu erforschen, andererseits ein grundlegendes Verständnis vom Kino als Aufführung zu erarbeiten, das auch den Blick auf das aktuelle Kino zu schärfen vermag.

«Stumm|Film|Musik» nimmt die schillernde Musik- und Aufführungsdimension des frühen Kinos zum Ausgangspunkt für ein interdisziplinäres Lehrprojekt an der Schnittstelle von filmhistorischer Aufführungsforschung und Musikpraxis. Es richtet sich an Studierende des BA-Studiengangs «Kultur – Theater – Film» am FTMK und des Studiengangs «Schulmusik (Lehramt Musik)» der Hochschule für Musik. Alle Studierenden nehmen gemeinsam an dem von Kristina Köhler geleiteten Seminar teil, das eine Einführung in die Theorie und Geschichte der Musik- und Aufführungsdimension des frühen Kinos bietet. Im Seminar studieren wir gemeinsam Archivmaterialien wie historische Partituren, «Cue Sheets», Tonaufzeichnungen und historische Apparate. Neben klassischen Seminarsitzungen mit Textlektüre und Quellenstudium werden wir in Werkstattgesprächen mit etablierten Stummfilmmusiker*innen Einblicke in deren künstlerische und berufliche Praxis bekommen. Durch Gesprächsrunden mit Fernsehredakteur*innen und Archivar*innen reflektieren wir die Rolle von Fernsehen und Archiv in der Vermittlung früher Stummfilme.

Die Lehrveranstaltung wird vom Gutenberg-Lehrkolleg als «innovatives Lehrprojekt» unterstützt.

Für die Vertiefung im Selbststudium (SLS) (im Umfang von 2 SWS, etwa 30 Std.) kann eine der folgenden drei Optionen gewählt werden:

I. Musikpraxis/Ensemble-Arbeit:
Ein Teil der Gruppe wird unter der Leitung von Christopher Miltenberger in einem musikpraktischen Ensemble-Kurs eine improvisierte Musikbegleitung für ein Stummfilm-Programm erarbeiten, das im Dezember 2020 aufgeführt und aufgezeichnet wird.
Der Ensemble-Kurs steht grundsätzlich auch Studierenden vom FTMK offen; musikalische Vorkenntnisse werden jedoch vorausgesetzt. Wer Interesse an der Mitarbeit im musikpraktischen Projekt hat, nehme bitte bis 16. Juli 2020 Kontakt mit Prof. Christopher Miltenberger (schulmusik@uni-mainz.de) auf.

II. Kulturmanagement: Ein weiterer Teil der Gruppe kümmert sich um die Planung, Organisation und Durchführung der Aufführung im Dezember, die an der Hochschule für Musik und evtl. auch in einem Kino der Region stattfinden soll (je nach Corona-Lage). Zu den Aufgaben dieser Gruppe gehört es, Flyer und Plakate zu erstellen, ein Rahmenprogramm zu organisieren sowie die PR- und Öffentlichkeitsarbeit für diese Veranstaltung zu besorgen.  (Die Einschreibung für diese Gruppe erfolgt in der ersten Kurssitzung.)

III. Forschungslabor: Zudem besteht die Möglichkeit, die Forschungsarbeit aus dem Seminar im Selbststudium eigenständig vertiefen – etwa durch die Bearbeitung historischer Archiv- und Quellenmaterialien: Fallstudien zu einzelnen Filmen, Aufführungspraktiken oder Techniken der Zeit. (Die Einschreibung für diese Option erfolgt ebenfalls in der ersten Kurssitzung.)

 

Termine:

Datum (Wochentag)UhrzeitOrt

Semester: WiSe 2020/21