Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

HS. Fernsehformate: Deutsche Geschichte in der Fernsehserie

Dozent:innen: Dr. Roman Mauer
Kurzname: HS Fernsehformate
Kurs-Nr.: 05.054.16_920
Kurstyp: Hauptseminar

Empfohlene Literatur

Eine ausführliche Literaturliste wird in der ersten Sitzung ausgegeben. Zur Einführung dienen:

  1. Fröhlich, Vincent / Gotto, Lisa / Ruchatz, Jens (Hrsg.) (2019): Fernsehserie und Literatur: Facetten einer Medienbeziehung. München : edition text + kritik.
  2. Löcher, Uta / Rosenstein, Doris (2001): Zur Geschichte der Fernsehserie in der DDR. Siegen.
  3. Nesselhauf, Jonas u. Markus Schleich (2016): Fernsehserien: Geschichte, Theorie, Narration. Tübingen.
  4. Mohr, Gregory (2018): Slow-Burn-Narration. Langsames Erzählen in zeitgenössischen Fortsetzungsserien, Wiesbaden: Springer VS.
  5. Weiß, Monika  (2019): Living History: Zeitreisen(de) im Reality-TV. Marburg : Schüren Verlag.

Inhalt

Außer Mutlosigkeit und Bewunderung, so hieß es, hätte man in Deutschland den US-Fernsehserien nichts entgegenzusetzen, bis sich das Meinungsbild langsam änderte: ab 2015 (mit DEUTSCHLAND 86, AMC/RTL) und verstärkt ab 2017 (mit BABYLON BERLIN, ARD, Sky u.a.). Übersehen wird dabei, dass das Fernsehen in Deutschland schon früh (und immer wieder) hochwertige Serien hervorgebracht hat. Angefangen 1959 mit dem ersten Straßenfeger SO WEIT DIE FÜßE TRAGEN (R: Fritz Umgelter), lässt sich dabei nicht nur an Serien von Autorenfilmern wie Rainer Werner Fassbinder (BERLIN ALEXANDERPLATZ, 1980) oder Edgar Reitz (HEIMAT, 1984, 1993, 2007, 2015) denken, sondern auch an viele Fernseh-Mehrteiler (Miniserien), die deutsche Geschichte aufarbeiten und dabei auch das generische Spektrum zwischen Fakt und Fiktion ästhetisch erkunden: Neben dem Spielfilm (DAS BOOT, ARD 1985 / UNSERE MÜTTER, UNSERE VÄTER, ZDF 2013) finden sich hybride Formen wie Doku-Dramen (DIE MANNS, D 2001), Living-History-Formate (z.B. von Volker Heise) und jetzt sogar Instagram-Serien (ICH BIN SOPHIE SCHOLL, ARD 2021).
Auch in der internationalen Wahrnehmung stellt deutsche Geschichte eines der wichtigsten Themen für Fernsehserien über oder aus Deutschland dar, weil zentrale Umbrüche der Weltgeschichte im 20. Jahrhundert mit diesem Land zwischen West und Ost und inmitten von Europa verbunden sind, ja sich dort wie in einem Brennglas (insbesondere in Berlin) verdichten lassen: der Erste und Zweite Weltkrieg sowie der Kalte Krieg. Auch waren es die US-amerikanische Fernsehserie HOLOCAUST (HOLOCAUST – DIE GESCHICHTE DER FAMILIE WEISS, USA 1978) von Marvin J. Chomsky und der 9-stündige Zweiteiler SHOAH (F 1985) aus Frankreich von Claude Lanzmann, welche in Deutschland die Aufarbeitung der eigenen Geschichte maßgeblich befördert haben.
Wir werden aber nicht nur serielle Formen über den Zweiten Weltkrieg behandeln (trotz der Bedeutung und Dominanz des Themas), denn auch die anderen historischen Epochen erleben verstärktes Interesse, gerade weil das gesellschaftliche Leben in Deutschland immer wieder kulturellen Umbrüchen unterworfen war: die Kaiserzeit (z.B. CHARITÈ, 1. Staffel, D 2017), die schillernde Blütezeit der Weimarer Republik (BABYLON BERLIN), das Leben im Sozialismus der DDR (z.B. WEISSENSEE, ARD 2012-18) oder in der Bonner Republik (z.B. KU’DAMM 56 / 59 / 63, ZDF 2016-21), die deutsche Einheit (THROWBACK 89, D 2019) und Nachwendezeit (z.B. IM ANGESICHT DES VERBRECHENS, ARD 2010). Das quantitative Mehr der Fernsehserie – filmische Dauer, Figurenvielfalt, räumliche  Wechsel – erlaubt dieser medialen Form, den gesellschaftlichen Querschnitt und das historische Panorama einer Epoche zu wagen, um zugleich Geschichte von oben und von unten zu schreiben. Ziel ist es, diese panoramatischen Möglichkeiten der Fernsehserie als Spiegel von deutscher Geschichte – in Narration, Dramaturgie und Ästhetik – herauszuarbeiten und auch vor dem Hintergrund der Entwicklung des Fernsehens einzuordnen. 

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
21.07.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
9181 - Medienhaus
19.05.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
9181 - Medienhaus
28.04.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
9181 - Medienhaus
21.04.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
9181 - Medienhaus
14.07.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
9181 - Medienhaus
05.05.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
9181 - Medienhaus
30.06.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
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02.06.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
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07.07.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
9181 - Medienhaus
09.06.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
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12.05.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
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23.06.2022 (Donnerstag) 10:15 - 11:45 00 113 Seminarraum
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