Lehrveranstaltungen Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

HS. Film als Experimentierfeld der Sinne: Was genau ist wie zu verteilen – alternative Eigentums- und Besitzverhältnisse im Film

Dozent:innen: Dr. Cecilia Valenti
Kurzname: HS Film Exp Sinne
Kurs-Nr.: 05.054.16_1020
Kurstyp: Hauptseminar

Voraussetzungen / Organisatorisches

Die Documenta-Exkursion wird voraussichtlich am 11.-12. Juli stattfinden. Weitere Informationen folgen. Bei den Sitzungen am 8. und 15. Juni können sich noch terminliche Abweichungen ergeben.

Das Hauptseminar kann nur gemeinsam mit dem „SLS. Angeleitete Sichtung zum HS.“ besucht werden! Die Anmeldung zur Sichtung erfolgt nach der 3. Lehrveranstaltungsanmeldephase durch das Studienbüro FTMK.

Hinweis für Studierende der PO 2011:
Die Teilnahme am „SLS. Angeleitete Sichtung“ ist eine verpflichtende Studienleistung.

Empfohlene Literatur

Bhandar, Brenna: Colonial Lives of Property. Law, Land, and Racial Regimes of Ownership. 2018.
Harris, Cheryl I.: Whiteness as Property. In: Harvard Law Review. Jg. 106. Nr. 8. 1993, 1709–1791. 
Kavita Philip: «Keep on Copyin’ in the Free World? Genealogies of the Postcolonial Pirate Figure», in: Lars Eckstein, Anja Schwarz (Hg.) «Postcolonial Piracy: Media Distribution and Cultural Production in the Global South», S. 149–179.
Proudhon, Pierre-Joseph: Was ist Eigentum? 2. Aufl. 2018 [1840].
Ruangrupa im Gespräch mit Nora Sternfeld: Das Teilen des Mehrwerts als eine Form von Kollektivität. In: Texte zur Kunst, Jg. 31, Nr. 124 «Collectivity». 2021, 73–83.

Inhalt

«Eigentum ist Diebstahl» lautet Pierre-Joseph Proudhons berühmte Formel, die darauf aufmerksam macht, dass Aneignungen im kapitalistischen System stets auch bedeuten, dass etwas weggenommen wird: Die Erhebung eines Besitzanspruchs auf Ideen oder Produkte macht sichtbar, dass Verteilung auf der Ebene der sozialen Verhältnisse strukturelle Ungleichheiten reproduziert, dass die Reklamation von Eigentum auf Kosten all jener stattfindet, die keine Stimme haben, die ignoriert oder ausgegrenzt werden. Gewiss mag Proudhons Gleichsetzung aus heutiger Sicht etwas vage klingen. So wurden mit dem Feminismus und den Critical Black Studies Perspektiven einbezogen, die die Grenzen Marx’scher und anarchischer Begrifflichkeiten ausloteten und sie zugleich radikalisierten: Wie die Autorin Brenna Bhandar in Colonial Lives of Property aufzeigt, ist der westliche Eigentumsbegriff nicht nur intrinsisch mit einer kapitalistischen Enteignungslogik verbunden, sondern auch eng mit der Geschichte des Kolonialismus verstrickt. 
An diese historisierende und politisierende Kritik westlicher Eigentumslogik anschließend, möchte das Seminar Fragen von Sammlertum und Besitz medientheoretisch zuspitzen und am spezifischen Ort ‹Film› stellen: Wir gehen davon aus, dass Filme in Verhältnisse eingebettet sind, die uns dazu auffordern, unsere Vorstellungen von Eigentum und dessen Gebrauch zu überdenken. Denn, während der Film – wie Kunst und Ästhetik – zum einen tief im Besitzdenken verankert zu sein scheint, etwa durch das Festhalten am Ideal vom geistigen Eigentum und singulären Schöpfertun, weist dieses Medium aufgrund seiner Reproduzierbarkeit und gesteigerten kollektiven Entstehungspraxis zugleich ein Potenzial zur Transgression herrschender Eigentumslogiken auf. 
Die Problematisierung der Spezifika von Film-Eigentum findet in einem ersten Schritt statt; im zweiten möchte das Seminar fragen, wo sich Alternativen abzeichnen: Sei es im Modus der Kritik an europäischen Eigentums- und Besitzverhältnissen in Filmarchiven, wo sich die historische und immer noch andauernde Enteignung extrahierter beziehungsweise gestohlener Ressourcen durch ein kolonialistisches Herrschaftsprinzip aufzeigt; oder sei es im Nachdenken über die Möglichkeit anderer Eigentumsverhältnisse wie in der gegenwärtigen Diskussion um postkoloniales Copyright und digitale Piraterie. 

Zusätzliche Informationen

Die einzelnen Sitzungen finden als Blockveranstaltungen statt; eine Exkursion zur documenta fifteen in Kassel ist geplant. Erstmals in ihrer 67-jährigen Geschichte wird die Großausstellung von einem Kollektiv kuratiert: ruangrupa aus Jakarta. Im Zentrum der kuratorischen Praxis dieser Gruppe stehen Ideen des Commoning – eines kollektiven Ressourcenaufbaus –, die im Horizont dieses Seminars ebenfalls von Bedeutung sind. Beim gemeinsamen Ausstellungsbesuch sollen künstlerische Praktiken, die um Fragen des Eigentums kreisen, besonders beachtet und in gemeinsamen Diskussionen kritisch reflektiert werden. Das Seminar wird von Dr. Cecilia Valenti und Kuratorin und Aktivistin Lisabona Rahman unterrichtet.

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
27.04.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
11.05.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
01.06.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
20.04.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
08.06.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
20.07.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
22.06.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
04.05.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
18.05.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
15.06.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
25.05.2022 (Mittwoch) 14:15 - 15:45 01 110 PC-Raum, Seminarraum 2
9181 - Medienhaus
12.07.2022 (Dienstag) 09:00 - 18:00 Exkursion
11.07.2022 (Montag) 09:00 - 18:00 Exkursion