Alles im Blick – Phänomene des Panoramatischen

Interdisziplinäre Tagung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Mittwoch, 29. März & Donnerstag, 30. März 2023

 

Organisation:

Dr. Roman Mauer, Filmwissenschaft / Mediendramaturgie

Dr. Johannes Ullmaier, Germanistik

Dr. Clara Wörsdörfer, Kunstgeschichte

 

Veranstaltungsort:

Johannes Gutenberg-Universität, Mainz, Hörsaal 02-521 im Georg Forster-Gebäude

Die Tagung wird gefördert durch das Zentrum für Frankreich- und Frankophoniestudien (ZFF) sowie die Inneruniversitäre Forschungsförderung – Stufe-I der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

 

Inhaltliche Zusammenfassung:

Das Panorama – die Alles-Sicht – zielt ab auf eine Maximalform von Wahrnehmung und Wirklichkeitsbewältigung. Es entspricht dem Wunsch, den (Wissens-)Raum zu umspannen: in der Überbreite das Gleichzeitige zu erzählen oder im Fries das historische Nacheinander zu überblicken. Das Panorama entrahmt das Bild, übersteigt das Blickfeld und fordert auf zur visuellen Drehbewegung (Rundumpanorama, 360-Grad-Schwenk), Seitwärtsfahrt (Schriftrolle, Zugfenster) sowie zum Auf- und Abstieg (Gipfel, Ballon).

Im Panorama liegen Spannung und Widerspruch: Das Diverse soll in eine Einheit gebannt werden. Es konkurrieren Simultaneität und Linearität, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Freiheit und Kontrolle, Wissen und Ohnmacht, Hybris und Scheitern. Das Aufkommen der Disziplinargesellschaften beförderte den Panoramablick und die Panoramen des 19. Jahrhunderts boten als frühe Massenmedien und Vorläufer des Kinos Stadt- und Weltaneignung als Spektakel an. Bis heute schickt das Panorama den Blick auf Reisen und holt die Welt in den Blick: in Malerei, Theater, Fotografie, Film und Kartografie, in synoptischen Diagrammen, Wimmelbildern, Open-World-Computerspielen und der Immersion der VR-Brille. Das Panorama dient als Modell für den epistemologischen Anspruch der Neuzeit, das modernistische Erzählen in der Literatur und die Kompilationen globaler News in Zeitung und TV-Magazin.

Die Tagung widmet sich im Rückblick den kulturgeschichtlichen Traditionen des Panoramatischen und im Seitenblick der jeweiligen Bedeutung in den verschiedenen Disziplinen, um die vielfach weitgehend unvermittelten Panorama-Konzepte in den Künsten, Fächern und Lebenswelten ihrerseits in einem Panorama anzusiedeln, das sie präzise unterscheiden und schlüssig verknüpfen soll. Aus der fächerübergreifenden Anlage eines solchen Panoramen-Panoramas erwüchse zudem die Chance, sich dem Desiderat einer allgemeinen Panorama-Theorie zu nähern: der Frage nach dem gemeinsamen Erfahrungskorrelat und Begehrenskern von Panorama-Produktion und -Rezeption, dem genuin Panoramatischen.