Dr. Roman Mauer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

IllustrationForschungsschwerpunkte

  • Narration und Ästhetik der Simultaneität
  • Narratologie des Films, des Comics und der akustischen Kunst
  • Filmstilistik
  • Audiovisuelle Filmdidaktik, Methoden der Visualisierung
  • Inter- und Transkulturalität des Films
  • Gegenwartstendenzen des Dokumentarfilms

 

Biografie

Roman Mauer ist Akademischer Rat im Bereich Filmwissenschaft / Mediendramaturgie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er studierte Filmwissenschaft, Literaturwissenschaft und Ethnologie in Mainz und promovierte 2004 mit einer Studie zu Jim Jarmusch. Er lehrte er an der HFF München (2005-2009), dffb Berlin, HFF „Konrad Wolf“ Potsdam/Babelsberg und HS Mainz. Seit 2008 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Johannes Gutenberg-Universität und gestaltete internationale Vortragsreihen und medienpraktische Kooperationsprojekte mit u.a. ZDF/arte, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Deutschen Kinemathek Berlin, HFF Potsdam/Babelsberg oder dem Institut für Mediengestaltung Mainz.

Mitglied- und Herausgeberschaften

Lehrveranstaltungen

M7a-MA Seminar: Filmgeographische Fragestellungen "Mapping Cinema & Cinematic Cartography"

Dr. Roman Mauer; Dipl.-Geogr. Elisabeth Sommerlad

Kurzname: M7a-MA S
Kursnummer: 09.050.523

Inhalt

Medien und Filme zu kartographieren, mag auf den ersten Blick als Methode überraschen. Doch ist die Kartographie nicht nur selbst ein Medium (eines der ältesten), auch den Medien selbst wohnt ein „Mapping Impuls“ inne, eine Tendenz, sich selbst zu reflektieren: durch Metaphern von Topologien, Netzwerken und Strömungen. Und die Kulturpraxis der Kartographie hat sich nie darauf beschränkt, nur zu zeigen, was ist, sondern auch, was sein könnte: unbekannte Räume (wie die Pariser Kanalisation), mythische Orte (wie Atlantis), transzendentale Weltbilder (wie die Höllenkreise) oder eben fiktionale Räume. So können auch literarische oder filmische Diegesen kartographisch dargestellt werden. Waren es in der Literatur zunächst die Romanautoren selbst, die Karten ihrer fiktionalen Welten angelegt haben, so werden in Zeiten des Web 2.0 digitale Karten mit Prosatexten zu einer Form webbasierten literarischen Erzählens entwickelt (Geographic Novel), während in der Literaturwissenschaft Geo-Referenzierungen von literarischen Handlungsräumen vorgenommen werden (siehe „Literarischer Atlas Europas“, www.literaturatlas.eu). Im Bereich des Films zählen zu den Spatial Narratives Werke, die ihre Erzählung in besonderer Weise über die Topographie organisieren. Im Worldbuilding transmedialer Erzähluniversen (insbesondere im Abenteuer-, Science-Fiction und Fantasy-Genere) gibt es eine natürliche Neigung zur Kartographie, die nicht nur auf Seiten der Kreativen und Produzenten zur Organisation und Vermittlung sondern auch in der Wissenschaft und Fan Culture zur Analyse genutzt wird (man denke nur an die epischen Reihen und Serien Lord of the Rings, Game of Thrones...). Doch sind abseits der üblichen  Reisebewegungen gerade non-lineare Narrationen interessant, die nach dem Prinzip der Simultaneität funktionieren: Rhizomatische Netzwerkstrukturen, gesellschaftliche Querschnitte, transnationale Wechselwirkungen oder multiperspektivische Spiegelungen lassen sich über das Mapping zur Anschauung und Erkenntnis bringen. Karten filmischer Räume und Schauplätze sind ein Forschungsbereich der jungen Disziplin der Filmgeographie. Wir streben im Kurs allerdings eine spezifische Erweiterung der Methodik an, indem wir auch abstrakte, metaphorische, philosophische Raummodelle integrieren, mit der die Narration organisiert wird, die sich aber nicht zwingend diegetisch abbilden. Dazu nutzen wir auch im Bereich der Kartographie eine erweiterte Form: die sogenannte diagrammatische Karte, die topographisches Wissen mit thematischen Wissen verknüpft.  Diagrammatische Karten sind eine Praxis des Denkens, die von der Verräumlichung geistiger Prozesse profitiert und dort einen Mehrwert schafft, wo Sprache an die Grenzen der Erkenntnis und Vermittlung stößt. Sie zeigen Muster und Relationen auf, sie können somit über repräsentative Formen unsichtbare Zusammenhänge zum Vorschein bringen, die sich dann interpretieren lassen. Darüber hinaus gewinnt die Kompetenz, diagrammatische Karten als Modus der Wissensvermittlung zu gestalten und zu deuten, in der digitalisierten Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Die Bildwissenschaft hat sie denn auch als Forschungsgegenstand im Zuge des Iconic Turn entdeckt: die Erkenntnisfähigkeit des Bildes. Für die Filmwissenschaft bieten sich Informationskarten methodisch an, denn sie "zerlegen einen Zusammenhang in seine Teile und setzen dem Betrachter damit die Struktur dieses Zusammenhangs auseinander; indem diese Art der Zerlegung zwischen den Zusammenhang und den Betrachter tritt, werden ihm im Wechselspiel von Ansicht und Einsicht, von Überblick und Durchblick Erkenntnisse vermittelt.“ (M. Bauer / Chr. Ernst)  

Empfohlene Literatur

 Bauer, Matthias; Christoph Ernst: Diagrammatik. Einführung in ein kultur- und medienwissenschaftliches Forschungsfeld. Bielefeld 2010.

 Henzler, Bettina; Pauleit, Winfried (Hrsg.): Filme sehen, Kino verstehen. Methoden der Filmvermittlung. Marburg 2009.

 Jameson, A.D., Andrew DeGraff: Cinemaps. Ein Atlas der 35 großartigsten Filme aller Zeiten. Heyne Verlag 2018. 

Sommer, Gudrun; Hediger, Vinzenz, Fahle, Oliver (Hrsg.): Orte filmischen Wissens. Filmkultur und Filmvermittlung im Zeitalter digitaler Netzwerke. Marburg 2011.

Rendgen, Sandra; Wiedemann, Julius (Hrsg.): Information Graphics. Köln 2012.

Bruno, Giuliana (2002). Atlas of Emotion: Journeys in Art, Architecture and Film, New York.

Caquard, Sébastien (2009): „Foreshadowing Contemporary Digital Cartography: A Historical Review of Cinematic Maps in Films“, in: The Cartographic Journal 46 (1), 46-55.

Caquard, Sébastien (2013): „Cartography I: Mapping Narrative Cartography” in: Progress in Human Geography 37 (1), 135-144.

Caquard, Sébastien (2014): „Narrative Cartography: From Mapping Stories to the Narrative of Maps and Mapping“ in: The Cartographic Journal 51 (2), 101-106.

Caquard, Sébastien/Taylor, D. R. Fraser (2009) “What is Cinematic Cartography?”, The Cartographic Journal 46 (1), 5-8.

Castro, Teresa (2009): „Cinema’s Mapping Impulse: Questioning Visual Culture“, in: The Cartographic Journal 46 (1), 9-15.

Castro, Teresa (2011): La pensée cartographique des images. Cinéma et culture visuelle, Lyon.

Conley, Tom (2007): Cartographic Cinema, Minneapolis.

Downs, Roger M./Stea, David (1982): Kognitive Karten. Die Welt in unseren Köpfen, New York.

Lukinbeal, Chris (2004a): „The map that proceeds the territory: An introduction to essays in cinematic geography“, in: GeoJournal 59, 247-251.

Lukinbeal, Chris (2010b): „Mobilizing the cartographic paradox: tracing the aspect of cartography and prospect of cinema“, in: Educação Temática Digital 11 (2), 1-32.

Lukinbeal, Chris/Sharp, Laura/ Sommerlad, Elisabeth/ Escher, Anton/ (Hrsg.) (2019): Media’s Mapping Impulse. Media Geography at Mainz, Steiner, Bd. 5, Stuttgart (im Erscheinen).

Lukinbeal, Chris/Zonn, Leo (Hrsg.) (2004): „Theme Issue: Cinematic Geographies“, in: GeoJournal 59 (3), https://link.springer.com/journal/10708/59/4/page/1, 16.07.2018.

Lukinbeal, Chris (2018): The mapping of ‘500 Days of Summer’: A processual approach to cinematic cartography. In: Necsus. Online: https://necsus-ejms.org/the-mapping-of-500-days-of-summer-a-processual-approach-to-cinematic-cartography/ (29.5.2019).

Roberts, Les (2012): „Cinematic Cartography. Projecting Place through Film“, in: Les Roberts (Hrsg.), Mapping Cultures. Place, Practice, Performance, Basingstoke, Hampshire, 68-84

Sharp, Laura (2018): “But how do you show that in a film?” Absence,Cartographic Anxiety, and Geographic Realism Through the Landscapes of Akira Kurosawa’s Dersu Uzala.

GeoHumanities. DOI:10.1080/2373566X.2018.1447313


Sharp, Laura (2018); Embodied cartographies of the unscene: A feminist approach to (geo)visualizing film and television production. In: Necsus. Online: https://necsus-ejms.org/embodied-cartographies-of-the-unscene-a-feminist-approach-to-geovisualising-film-and-television-production/ (29.5.2019).

Voraussetzungen / Organisatorisches

DIe Veranstaltung findet als Kooperation mit der Filmwissenschaft statt (Dr. Roman Mauer & Dipl.-Geogr. Elisabeth Sommerlad)

Termine:

Datum (Wochentag)UhrzeitOrt
14.10.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
21.10.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
28.10.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
04.11.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
11.11.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
18.11.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
25.11.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
02.12.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
09.12.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
16.12.2019 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
06.01.2020 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
13.01.2020 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
20.01.2020 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
27.01.2020 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002
03.02.2020 (Montag)14.15 - 15.45 UhrMedienhaus Wallstr. 11, Raum 01-002

Semester: WiSe 2019/20

Publikationen

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2019

2017

  • Mauer, Roman:
    Point Blank
    Grob, Norbert (Hrsg.). Stilepochen des Films. Bd. 4. New Hollywood. Stuttgart, : Reclam, 2017. S. 75 - 83

2016

  • Hesse, Christoph ; Keutzer, Oliver ; Mauer, Roman ; Mohr, Gregory:
    Filmstile
    Wiesbaden, : Springer VS, 2016. 435 S. 

  • Mauer, Roman:
    Regen
    Koebner, Thomas (Hrsg.). Standardsituationen im Film. Marburg, : Schüren, 2016. S. 258 - 261

2015

  • Mauer, Roman:
    Eureka
    Ritzer, Ivo (Hrsg.). Stilepochen des Films. Bd. 8. Neues ostasiatisches Kino. Stuttgart, : Reclam, 2015. S. 83 - 90

2014

2013

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