ERASMUS in Valencia (WS 2015/2016)

Ein Erfahrungsbericht von Nora Koschel

An alle, die sich überlegen ERASMUS zu machen: Ich kann es absolut empfehlen. Es ist eine super Möglichkeit einige Monate mit vergleichsweise wenig Aufwand im Ausland zu verbringen. Ich verbrachte 6 Monate im schönen Valencia in Spanien.

Alles begann mit der Überlegung, ob ich ein Auslandsemester machen soll oder nicht. Eine große Hilfe war dabei die Erasmusberatung von meinem Institut Erziehungswissenschaft. Nach ausgiebigen Überlegungen habe ich mich dann im Juli 2014 beworben. Eine Bewerbung ist ganz einfach: Man sucht sich eine Universität aus, mit der das jeweilige Institut kooperiert, und bewirbt sich dann mit einem Motivationsschreiben. Im Januar 2015 habe ich dann Bescheid bekommen, dass ich einen Platz in Valencia für das WS 2015/2016 bekommen habe. Den Platz habe ich angenommen und danach gibt es dann zu ein oder zwei Informationsveranstaltungen, in denen erklärt wurde, was man alles machen muss. Ehrlich gesagt, war ich am Anfang ziemlich verwirrt über Abgabedaten und es war ein ziemliches Hin- und Hergerenne, weil man diverse Unterschriften brauchte, besonders da ich auch in meinem Nebenfach Filmwissenschaft Kurse in Spanien belegen wollte. Mit der Zeit hatte ich dann endlich alles zusammengetragen und es konnte losgehen, einen Flug und ein Hostel für die ersten Nächte zu buchen.

Ich war erstmal 3 Tage im Russafa Youth Hostel, das ich absolut weiterempfehlen kann. Sehr nette Mitarbeiter, die gute Tipps zur Wohnungssuche geben konnten und das beste Frühstück, das ich je in einem Hostel gehabt habe. In Valencia ist es besser eine Wohnung vor Ort zu suchen, da die spanische Wohnqualität schon etwas anderes ist als in Deutschland und man so die Möglichkeit hat, sich die Wohnung anzuschauen. Ich muss hier erstmal darauf hinweisen, dass es nicht ganz so leicht ist eine Wohnung zu finden, wie oft in Erfahrungsberichten geschrieben wurde.
Zwar findet fast jeder innerhalb von drei oder vier Tagen eine Unterkunft, das mag nicht lange erscheinen, aber die Zeit der Wohnungssuche ist schon anstrengend und nervenaufreibend. Also alles locker angehen. Schafft euch erstmal ein Bild über die Art von Wohnungen, die es in Spanien gibt, und entscheidet, was euch zum Wohnen wichtig ist. Der Preis für ein WG-Zimmer liegt bei ca. 150–250 € im Monat. Unbedingt auf gut isolierte Fenster achten und auch auf Heizkörper im Zimmer, da es im Wintersemester schon nachts recht frisch werden kann! Dann gibt es ein paar sehr hilfreiche Seiten, um Wohnungen zu suchen wie www.idealista.com, www.pisocompartido.com, www.loquo.com, und www.easypiso.com. Easypiso hat bei mir übrigens am Besten funktioniert, weil man sich da kostenlos anmelden und dann ein eigenes Profil erstellen kann. Ich hatte sofort sehr viele Anfragen von Vermietern und so habe ich auch mein Zimmer gefunden. Wichtig ist ansonsten auch eine spanische SIM-Karte, da viele Vermieter nur telefonisch erreichbar sind. Ich hatte meine aus dem Orange Shop für ca. 15 € pro Monat. Keine Angst vorm Telefonieren, auch wenn man nicht gut Spanisch sprechen kann. Das klappt schon. Ansonsten war ich am Anfang doch echt überrascht, dass nicht besonders viele Spanier (auch junge!) Englisch sprechen können. Das heißt, man sollte also schon mindestens A1 in Spanisch haben, sonst denke ich, dass es schwer werden könnte. Ich hatte A2 und kam zwar ganz gut rein, am Anfang war es aber doch eine Herausforderung. Ich habe sehr viele Zimmer angesehen (ca. 15) und hatte leider auch ein paar blöde Erlebnisse, wo mir Zimmer vor der Nase weggeschnappt wurden, da es hier das System gibt, dass man sofort zusagen muss, sonst kann es weg sein – und auch ein paar sehr unfreundliche Vermieter.
Was hier anders ist als in Deutschland, ist, dass hier WGs einfach zusammengestellt werden und man seine Mitbewohner erst nach dem Einzug kennenlernt. Das ist hier einfach ganz normal, aber ich habe von niemandem gehört, dass die Mitbewohner unfreundlich waren. Ich wollte halt unbedingt mit Spaniern zusammen wohnen und nicht in eine Erasmus-WG. Das war für mich auch genau richtig so. Ich habe dann schließlich ein tolles Zimmer gefunden mit drei spanischen Mitbewohnern. Von den Stadtvierteln her ist es so, dass die meisten Zimmer am Blasco Ibanez und in Benimaclet angeboten werden. Das sind zwei Stadtviertel nahe der Uni, aber halt oft mit Hochhäusern. Ich habe im schönen Russafa gewohnt, was ich absolut super fand. Wunderschönes Viertel mit schönen Häusern und vielen Bars und Cafés und fußläufig nur 10 Minuten zur Innenstadt. Zur Uni (Campus Blasco Ibanez) hab ich mit dem Fahrrad 15 Minuten gebraucht und mit der Metro auch. Ach so: Kauft euch unbedingt die Valenbisi-Karte. Kostet einmalig 30 € und man kann sich Fahrräder an den Valencisi-Stationen immer 30 Minuten kostenlos ausleihen. Absolut wichtig, da die Busse und Metros auch am Wochenende nur bis ca. 23:30 Uhr fahren und man in Valencia in 30 Minuten mit dem Fahrrad auch überall hinkommt. Freischalten kann man einfach eine Bus- oder Metrokarte auf der Valenbisi-Homepage für das Fahrradfahren.

Am Anfang in der Uni gab es zwei Informationsveranstaltungen. Eine von der Uni allgemein, wo über Sportmöglichkeiten, Sprachtandems und Sprachkurse informiert wurde, und eine von meiner Fakultät. Die war spezifischer und man hat seine Koordinatorin kennen gelernt, die Ansprechpartnerin für alle Fragen. Dann mussten wir unsere Kurse wählen und konnten dazu in der ersten Uni-Woche in alle Kurse reinschauen und mit den Professoren reden. Das war ganz hilfreich, aber irgendwie auch ganz schön chaotisch, weil man dann in sehr vielen Kursen war, die man später gar nicht belegen konnte oder wollte.
Als ich wusste, welche Kurse ich belegen wollte, musste ich zur meiner Koordinatorin und die hat das dann abgesegnet. Danach musste ich dann zum Studiensekretariat und die konnten erst nachschauen, ob noch Plätze frei sind. Das war in meinem Fall ziemlich kompliziert, da ich für mein Nebenfach Kurse in einer anderen Fakultät besuchen wollte. Jede Änderungen musste dann wieder mit der Koordinatorin abgestimmt werden, die aber nur dienstags in der Uni war. Daher hatte ich meine endgültige Kurswahl erst vier Wochen nach Unibeginn, das war echt blöd, da ich ja trotzdem die Kurse besucht habe, weil ich ja nicht zu viel verpassen wollte. Naja, trotzdem sind prinzipiell alle an der Uni sehr nett und hilfsbereit, nur man muss sich meistens schon auf Spanisch durchlagen. Es gibt auch sehr wenig Kurse auf Englisch. Die Dozenten und Studenten sind aber alle total nett. Da habe ich überhaupt keine negativen Erfahrungen gemacht.
Auch Gruppenarbeiten mit Spaniern haben gut funktioniert. Ansonsten gibt es in der Uni Valencia echt viele Erasmusstudenten, ich war in keinem Kurs die einzige und da kann man sich auch gut gegenseitig helfen. Die Sprache ist am Anfang schon etwas schwer, aber mit der Zeit habe ich das meiste im Unterricht gut verstanden. Sogar die Prüfungsphase steht man mit Lernen gut durch. Ich war erstaunt, dass ich doch alle Kurse bestanden habe, aber die Dozenten kennen einen ja auch und wissen, dass man Erasmusstudent ist. Absolut empfehlen kann ich den Sprachkurs des Centre d'Idiomes de la Universitat de València, dort kann man für 60 € im Semester einen studienbegleitenden Sprachkurs belegen. Hat mir sehr geholfen. Ansonsten verbessert sich das Spanisch auch durch die vielen Practicas und Gruppen- und Individualaufgaben, die man oft während des Semesters einreichen muss. Fühlt sich ein wenig an wie Hausaufgaben, ist aber meistens nicht besonders schwer. Also keine Panik, ist alles machbar.

Aber neben dem Studieren gibt es natürlich noch jede Menge schöne Sachen. Die Stadt Valencia hat total viel zu bieten. Eine wunderschöne Altstadt mit dem Ausgehviertel El Carmen, tolle Gebäude, den Turia-Park und Russafa und Benimaclet. Dort gibt es jede Menge Bars und viele kleine Konzerte. Zum Tanzen haben mir das Umbracle in der Ciudad de las artes, ein Open-Air Club, und das Unic im El Carmen am besten gefallen. Ansonsten ist Tapas-Essen immer toll, da gibt es eigentlich in allen Stadtvierteln gute Restaurants. In Russafa und Benimaclet ist es aber am günstigsten. Mittwochs und sonntags treffen sich viele Studenten im 100 Montaditos, einer spanischen Fastfoodkette, wo man belegte Brötchen, Pommes und Bier für 1 € bekommt. Auch die spanischen Bodegas sind toll, da gibt es Oliven, Chorizo, Schinken, Brot und andere Snacks in rustikaler Umgebung. An Cafés kann ich das Dulce de Leche in Russafa und das La màs bonita am Strand empfehlen. Da gibt es die besten Torten der Stadt. Der Strand ist natürlich allgemein super schön. Also kulturell, kulinarisch und feiertechnisch hat Valencia jede Menge zu bieten.

Ich kann ein Auslandssemester in Valencia total empfehlen. Die Stadt ist toll und die Uni war auch soweit in Ordnung und ich habe jede Menge netter Menschen und die entspannte spanische Kultur kennengelernt. Erasmus war für mich eine gute Erfahrung und ich bin sehr froh, dass ich es gemacht habe. Die Uni ist soweit organisiert und den Rest kann man selber gestalten und findet immer andere Leute, die auf die gleichen Sachen Lust haben. Das sind allerdings oft andere Erasmusstudenten, da man einfach in der gleichen Situation ist, reisen möchte und eine gute Zeit verbringen will. Erasmus ist eine internationale Erfahrung, die sich meiner Meinung nach absolut lohnt.